...weil es beim Blick hinter die Kulissen so viel mehr Schützenswertes gibt! Hinter die Kulissen kommt man mit Wissen, und nur was man kennt, kann man auch schützen.
Wir helfen euch beim Kennenlernen.

THEMENÜBERSICHT
- Das Nigerdelta und sein Blutöl
- Keine 3. Startbahn für München!
- Aktion gegen Atomkraft
- Alle AKW's abschalten ist möglich
- Handy, Laptop & Co,: grün und fair?!
- Der Moratoriums-Bluff
- E10 - der Wolf im Schafspelz
- Greenwashing für Kohlekraft
- Wasser als Menschenrecht
- Klares NEIN zu Gentechnik
- Atom-Alarm
- Sonnenstrom auf Überholkurs
- Von Biogas und Lerchenfenstern
- Hofpfisterei und PANGUANA
- N'Olympia
Das Niger-Delta und sein "Blut-Öl"
Das Nigerdelta, ein Flussmündungsgebiet in der Größe Belgiens, liegt in Westafrika und bietet 30 Mio. Menschen und zahlreichen vom Aussterben bedrohten Tierarten eine Heimat. Einst eine schöne Region in der kleine Flussvölker wie die Ijaw oder Ogoni in Harmonie mit der Natur lebten. Dann kam das Jahr 1958 mit dem sich alles verändern sollte. Grund dafür war die Entdeckung der ersten Ölquelle.
Unter den Sümpfen liegen Ölreserven, die zu den reichhaltigsten der Welt zählen. Jährlich werden etwa 2,2 Mrd. Barrel Rohöl aus 600 Förderfeldern gepumpt, was zu einem Milliardengewinn für den Staat Nigeria und internationale Konzerne wie Shell, Mobil, Total oder Exxon Mobil führt. Jedoch handeln sie auf Kosten der einfachen Bevölkerung, die nichts von dem Gewinn abbekommt. Vielmehr hat sich die Lage der Flussvölker drastisch verschlechtert, da ihre Lebensgrundlage vielerorts zerstört wurde. 7000km Pipeline zerschneiden das Land und die Dörfer und aus alten, undichten Leitungen sickert Öl. In den letzten 50 Jahren sind 9-14 Mio. Barrel Rohöl ausgelaufen und verschmutzen seitdem die Umwelt. Dies entspricht der Ladung einer Exxon Valdez pro Jahr, ein Tanker, der 1989 vor Alaska verunglückt ist.

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Das auslaufende Öl führt zu einer ökologischen und sozialen Katastrophe, die tagtäglich stattfindet. Wenn vor der Atlantikküste der USA eine Ölplattform explodiert, herrscht ein reges Medieninteresse. Wenn aber täglich Mensch und Umwelt in Nigeria ausgebeutet werden, interessiert es kaum jemanden. Nach Angaben der Regierung sind mindestens 2000 Orte durch Öl verseucht und müssen dekontaminiert werden. In mindestens zehn Gemeinden ist das Grundwasser mit Kohlenwasserstoff verunreinigt, in einer Gemeinde wurde sogar ein krebserregendes Gift im Brunnenwasser gefunden, das den internationalen Grenzwert um das 900fache überschreitet. Die lokale Nahrungsversorgung durch Landwirtschaft und Fischerei kam durch die Verunreinigung des Grundwassers, Bodens und Meeres durch das Öl zum Erliegen. Die restlichen noch fruchtbaren Böden und wenigen Fischreserven sind hart umkämpft. Durch das Abfackeln von Gas, das bei der Ölförderung entweicht, entstehen zudem Millionen Tonnen Methan pro Jahr. Dieses Gas hat einen erheblichen Einfluss auf den Treibhauseffekt und führt zu Atemwegserkrankungen, Krebs und Missbildungen bei Kindern. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung sank auf unter 40 Jahre.

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In den letzten vier Jahren wurden laut Umweltministerium 3400 Öl-Lecks registriert, die aufgrund von maroden Zuständen der Anlagen, technischer Pannen oder Nachlässigkeit der „Multis“ (= internationale Konzerne) entstanden. Die Beschuldigten sehen das natürlich anders. Laut des Vizepräsidenten von Shell Nigeria, Baby Omotowa, entstanden die Lecke durch Sabotage von militanten Gruppen. Laut der Behörden werden pro Tag etwa 100.000 Barrel Öl gestohlen was einem jährlichen Verlust von 3,3 Mrd. $ entspricht. Laut Gutachten der UN gehen 90% der bestehenden Öl-Lecke auf illegale Abzapfung und Sabotage zurück. Ein fader Beigeschmack bei diesem Gutachten bleibt jedoch denn Shell hat diese Studie mit 9,5 Mio. $ unterstützt. Von Umweltschützern wird hier von so genanntem „greenwashing“ gesprochen – einer geschickten Öffentlichkeitsarbeit um die Konzerne in ein besseres Licht zu rücken.
Das Volk Nigerias unterliegt dem Ressourcen-Fluch. Das Land ist reich an Bodenschätzen und hat seit den 1960er Jahren mehr als 600 Mrd. $ mit dem Öl aus der Region verdient. Aber dieser Reichtum ist nicht bei der Bevölkerung angekommen, denn die Mehrheit lebt in absoluter Armut. Die Menschen haben keine finanziellen Mittel zur Verfügung um sich selbst Öl zu kaufen. Sie zapfen illegal Pipelines an und verkaufen es auf dem Schwarzmarkt. Bei solchen Aktionen explodieren die Leitungen und Menschen kommen dabei ums Leben. Nur wer kann ihnen den Versuch zu Überleben verübeln, in einem Staat, in dem die eigene Bevölkerung aufgrund von internationalen Interessen hinten anstehen muss und internationalen Konzernen fast alles bewilligt wird?! Über 85% des Staatshaushalts wird durch Einnahmen aus dem Öl-Handel gestellt. Eine Abhängigkeit von den Ölfirmen scheint unausweichlich zu sein und es stellt sich die Frage, ob die Regierung nicht kontrollieren kann oder will. Aber dass der Staat nicht ausreichend kontrolliert darf keine Rechtfertigung für die Ölkonzerne sein, die Menschenrechte zu missachten. Jede von ihnen verursachte verschmutzte Trinkwasserquelle ist die Verweigerung des Rechts auf Gesundheit.

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Seit Jahren herrscht in Nigeria eine Verteilungsschlacht um das Öl zwischen korrupten Staatsbeamten, Ölmanagern, Militärkommandeuren, Schmugglerringen und Rebellen. Der verstorbene Präsident Nigerias Uman Yar’Adua sprach einst von „Blut-Öl“ in Anlehnung an die „Blut-Diamanten“. Seit 1956 wird in der Region Öl gefördert, aber nicht einmal die Provinzregierung darf bei Konzessionsabgaben mitentscheiden, denn für das Öl ist der Zentralstaat zuständig. Zwar wird den Regionen ein großer Teil der Einnahmen überwiesen, diese landen jedoch in den Fängen von korrupten Provinzverwaltern. Gegen diese ungerechte Verteilung und Zerstörung der Umwelt gründeten die Ogonis eine Gegenwehr. Auf einer friedlichen Demonstration erschienen 1993 mehr als 300.000 Menschen. Nach der Kundgebung und als Reaktion auf den Erfolg der Bewegung fand ein inszenierter Prozess statt, den ein eigens vom Staat eingerichtetes Tribunal leitete. Am Ende des Prozesses wurde der Anführer Ken Saro-Wiwa und acht weitere Mitglieder wegen Anstiftung zum Mord verurteilt und am 10.11.1995 öffentlich zur Abschreckung gehängt. Somit wurde der Widerstand zunächst vom Regime unterdrückt. Jedoch blieben die Gründe der Proteste und somit auch die Unruhen bestehen. Seit 1999 gibt es die erste bewaffnete Rebellengruppe und inzwischen bestehen Widerstandsgruppen und kriminelle Banden, die Ölanlagen angreifen, Öl abzapfen und Angestellte der Konzerne entführen. All dies stellt ein großes Problem für die Ölförderung dar. Seit Mai 2009 versucht die Regierung die Lage durch eine große Militäraktion in den Griff zu bekommen. Der Staat versucht zu regieren, jedoch passiert dies nur auf dem Papier, weil er seine eigenen Gesetze nicht umsetzt. In der Praxis werden die Entscheidungen meist immer noch von den Ölfirmen selbst getroffen.
Wie betrifft es mich?
Zwar landet der Hauptteil des Öls auf dem US-Amerikanischen und chinesischen Markt, aber petrochemische Produkte stecken in Arzneimitteln, Kunststoffen, Farbstoffen, Waschmittel usw. und diese werden auch in Deutschland verkauft. Leider ist auf den Produkten nicht ersichtlich, woher das Öl stammt. Daher ist es umso wichtiger, dass wir ein Bewusstsein für diese humanitäre und ökologische Katastrophe entwickeln, die täglich in Nigeria stattfindet und diese Erkenntnis verbreiten. Denn nur so kann diese Katastrophe aus dem Verborgenen an die Oberfläche gelangen. Zu diesem Thema findet vom 10.02.-29.07.2012 die Ausstellung „Letze Ölung. Niger-Delta“ im Staatlichen Museum für Völkerkunde München statt. Diese Ausstellung bietet sich hervorragend an um sich näher mit diesem Thema zu befassen und weitere Hintergrundinformationen zu erhalten. Ausgestellt werden Fotografien von nigerianischen Fotografen, die das Leben der Menschen sowie die Produktionsbedingungen vor Ort dokumentieren. Dabei haben diese Exponate eine hohe ästhetische Qualität und sollen auf einem künstlerischen Weg die Katastrophe visuell verdeutlichen. Weiterhin werden Kunstwerke von Bildhauern aus der Niger-Delta Region ausgestellt, die der Afrika-Sammlung des Museums entstammen. Zudem wird die Ausstellung von einem Rahmenprogramm aus Dokumentarfilmen und Vorträgen begleitet, die den Alltag der Katastrophe und die Geschichte des politischen Widerstands behandeln.
Wenn der Termin näher rückt, werden wir hier auf der Seite erneut auf die Ausstellung hinweisen.
Quellen (19.10.11):
http://www.amnesty.ch/de/aktuell/magazin/2009-3/shell-nigeria-erdoel
http://www.zeit.de/2011/02/Nigerdelta-Rohstoff-Oel
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15304512,00.html
http://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT201101218012
Keine 3. Startbahn für München! – warum auch wir dagegen sind:
Wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt, will der Flughafen München expandieren und eine dritte Start- und Landebahn bauen. Kalkulierte Kosten betragen dafür bis jetzt 1 Mrd. Euro, obwohl die Flughafen München GmbH schon mit 2,32 Mrd. verschuldet ist. Da dem Freistaat allerdings 51% der Flughafen München GmbH gehört, liegt dieser in öffentlicher Hand und am Ende muss der Steuerzahler dafür bürgen.
Der Bau wurde am 26. Juli diesen Jahres genehmigt, obwohl keine Notwenigkeit einer dritten Startbahn besteht. Im Jahr 2010 wurden 390.000 Flugbewegungen verzeichnet – die zwei bereits vorhandenen Bahnen können alleine eine Kapazität von 580.000 Flugbewegungen abdecken. Da stellt sich nun die Frage, wofür braucht München eine dritte Startbahn. Sie wird nicht wie von den Befürwortern des Baus argumentiert der Münchner Region zu Gute kommen. Vielmehr soll der Ausbau zur Festigung des Flughafens als Drehkreuz im internationalen Flugverkehr dienen. Dies führt allerdings zur Belästigung von Mensch und Natur in unserer Region. Es wird für den angeblichen wirtschaftlichen Aufschwung eine Umsiedlung sowie eine erhöhte Belastung von Anwohnern durch Fluglärm und Abgase in Kauf genommen.
Der Luftverkehr boomt und obwohl moderne Flugzeuge leiser sind gibt es dementsprechend eine Zunahme an Fluglärm. Dieser Lärm ist menschenverachtend und heimatvernichtend und hat erwiesener Weise negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Bei Kindern führt er zu Blutdruckerhöhung, Störung des Immunsystems, des Magen-Darm-Traktes, der geistigen Entwicklung und der Leistungsfähigkeit in der Schule sowie zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionskrankheiten und zur chronischen Schädigung des Hörvermögens. Erwachsene haben meist Kreislaufschwierigkeiten, leiden unter Gefäß- und Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Erkrankung der Lunge und Atemwege, Schwächung des Immunsystems, Bildung von Magengeschwüren, Depressionen und Schlafstörungen. Studien zeigen weiterhin, dass die Sterberate bei Städten die in einer Einflugschneise liegen wesentlich erhöht ist. Grund hierfür ist die Luftverschmutzung durch Kerosinrückstände, die hochgradig krebserregend sind, jedoch erst nach 10-20 Jahren durch Tumore sichtbar werden. Im Fall des Münchner Flughafens liegt der durchschnittliche Lärmpegel bei 61db(A). Dies befindet sich zwar in der gesetzlich vorgeschriebenen Norm, allerdings ist laut Umweltbundesamt bei einer Flugbelästigung von 55db(A) tags und 45db(A) nachts die Grenze zu erheblichen Belästigungen erreicht und bei 60db(A) tags und 50db(A) nachts sogar die Gesundheit beeinträchtigt. Nach EU-Richtlinien muss ein Arbeitgeber ab 80db(A) für einen geeigneten Gehörschutz sorgen. Die Werte am Münchner Flughafen überschreiten teilweise sogar 90db – wer sorgt hier für den Schutz der Anwohner?
Nicht nur die Zunahme an Fluglärm, auch die erhöhte CO2-Emission stellt ein erhebliches Problem dar. 10% der Treibhausgase Bayerns stammen von dem Münchner Flughafen – Tendenz steigend. CO2-Emissionen tragen etwa 8% zur globalen Erwärmung bei und ein Ende ist nicht in Sicht. Wenn der Luftverkehr weiter so anwächst wie in den letzten fünf Jahren wird er mit seinen Klimawirkungen die des PKW-Verkehrs überholen. Nicht nur CO2 sondern auch Stickoxide und Wasserdampf werden durch den Flugverkehr emittiert. Dies führt zur Bildung von Ozon und verstärkt somit den Treibhauseffekt. Die Wirkung von Ozon ist 2-5x höher als die durch CO2.
Heutzutage wird trotz bekannten Umweltrisiken der Flugverkehr massiv subventioniert. Jährlich werden mehr als 10 Mrd. Euro durch die Befreiung des Kerosins von der Mineralölsteuer und durch den Verzicht auf Mehrwertsteuer bei internationalen Tickets eingespart. Hierbei gibt es einen Wettbewerbsvorteil der umweltfreundlicheren Alternative Bahnfahren gegenüber. Zwar wurde vom EU-Parlament beschlossen, den Luftverkehr ab 2012 in den EU-Emissionshandel mit einzubinden, jedoch sind die Vorgaben noch viel zu lasch. Für die Zukunft ist es unerlässlich, den Flugverkehr in ein wirksames Emissionshandelssystem mit einzubinden, Kurzstreckenflüge durch Bahnverkehr zu ersetzen und vor allem den Ausbau vorhandener Flughäfen zu unterlassen.
Deshalb fordern auch wir: Keine 3. Startbahn! und rufen hiermit erneut zur Teilnahme an der Großdemonstration am 29.10.2011 um 10 Uhr auf dem Marienplatz auf.
Startbahnbau und die Politik
In München herrscht durch den Ausbau des Flughafens Unruhe in den politischen Reihen und die SPD befindet sich geradezu in einem Dilemma: letztes Jahr wurde auf dem Parteitag gegen den Bau der 3. Startbahn gestimmt. Der Oberbürgermeister von München Christian Ude – ebenfalls SPD-Mitglied – ist jedoch für den Bau. Und Herr Ude hat hier in München eine kleine Hoheitsposition denn er ist beliebt bei der Bevölkerung und gilt als Hoffnungsträger der schwächelnden Partei. Diese kam bei der letzten Umfrage auf gerade mal 17% und hat ausschließlich mit Ude die Möglichkeit den ersten Ministerpräsidenten seit 1957 zu stellen. Aber wie viel kann sich der Oberbürgermeister, der Monarch von München wie ihn Kritiker nennen, deshalb erlauben?
Freisings Oberbürgermeister hat kein Verständnis für seinen Parteigenossen. Seiner Meinung nach grenzt es an Erpressung die Kandidatur als Ministerpräsident an die geschlossene Zustimmung der Partei für den Bau zu binden. Er setze die Partei mit der Hoffnung auf die Ministerpräsidentschaft massiv unter Druck. Auch der SPD-Bürgermeister Münchens ist menschlich enttäuscht von Christian Ude und ist davon überzeugt, dass auch auf dem neu angesetzten Parteitag für März 2012 die SPD-Basis ihre Meinung nicht ändern wird und Ude am Ende einlenken muss.
Aber mal angenommen, Ude und der Parteivorsitz, der natürlich die Kandidatur stark unterstützt, schaffen es die eigenen Reihen umzustimmen bleiben da noch die Grünen und die Freien Wähler, die möglichen Koalitionspartner der SPD. Beide sind nämlich strikt gegen den Ausbau und somit sind Probleme schon vorprogrammiert.
Was können wir tun?
Aus gegebenem Anlass noch einmal der Verweis auf die Internetseite atmosfair, auf der ihr einen Emissionsrechner findet sowie die Möglichkeit, euren CO2-Ausstoß durch Flugreisen auszugleichen. Aber am besten ist natürlich der komplette Verzicht auf Flugreisen. Denkt an das Klima – und erstellt eigene Klimaversprechen bzw. versucht eure schon abgegebenen Versprechen einzuhalten.


Quellen (Stand 14.10.11):
www.aufgeMUCkt.de
www.bund.net/themen_und_projekte/verkehr/luftverkehr/
www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/verkehr/20080409_verkehr_luftverkehrsstudie_hintergrund.pdf
www.keine-startbahn3.de/fileadmin/informationen/Laermstudie_der_gsf.pdf
www.dradio.de/dlf/sendungen/dlfmagazin/1572782/
Aktion gegen Atomkraft
Am Samstag, den 07.05.2011 zog eine Gruppe junger Leute durch die Maxvorstadt zum Marienplatz. Nicht einfach so – sondern in Schutzanzügen, mit Mundschutz und mit Flyern ausgestattet. Passanten sollten auf die Gefahren von Atomkraftwerken aufmerksam gemacht werden. Die ausgehändigten Flyer klärten über vier Stromanbieter auf, die sauberen Strom produzieren – Umsteigen leicht gemacht!
Am Marienplatz ertönte Sirenenlärm – das Zeichen, dass sich die mit Schutzanzügen bekleideten Teilnehmer auf den Boden legen. Als nach 3 Minuten aus dem Megaphon ertönte: „Atomkraft abschalten – umsteigen jetzt“ standen alle wieder auf und verteilten weiter Flyer auf dem Weg zum Viktualienmarkt. Dort, und auch am Gärtnerplatz, wurde die Aktion wiederholt. Die Passanten reagierten weitestgehend positiv, wirkten interessiert und einige schlossen sich der Gruppe spontan an.
Aber die Schutzanzüge mit Atemmasken fallen unter das Vermummungsverbot…

Alle AKWs abschalten ist möglich!
Alle siebzehn deutsche Atomkraftwerke sofort abschalten – das hält auch Jürgen Schmid, Experte für Energiesystemtechnik, für möglich. Bei diesem Prozess setzt er auf zwei Energiequellen. Als wichtigste Reserve bezeichnet er den Wind. Er ist die preiswerteste Quelle um den Atomstrom zu ersetzen. Herr Schmid rechnet vor: Die AKWs produzieren 120 Terrawattstunden Strom pro Jahr. Um diese zu ersetzen müssten wir etwa 60 Gigawatt an Windturbinenleistung installieren. Innerhalb von zehn Jahren wären das sechs Gigawatt Zubau pro Jahr. Der Energieexperte hält dies für umsetzbar. Auch die Netze für einen Ausbau der regenerativen Energien gibt es. Diese intelligenten Netze können, wenn die Überlastung steigt, die Leistung der Windturbinen etwas reduzieren. Außerdem können sie Schwankungen in der Stromversorgung abfangen. Hier kommt die zweite wichtige Energiequelle, die Kraft-Wärme-Kopplung, ins Spiel. Normalerweise muss Strom produziert werden, wenn er gebraucht wird. Schließt man aber sowohl große Gaskraftwerke als auch Kleinstanlagen der Kraft-Wärme-Kopplung an diese intelligenten Netze an, können Schwankungen zwischen Produktion und Verbrauch von Strom über lange Zeit ausgeglichen werden. Zwar sind hierfür Wärmespeicher nötig, doch auch die gibt es schon. In Dänemark werden sie bereits erfolgreich eingesetzt. Ein weiterer wichtiger und positiver Effekt der Kraft-Wärme-Kopplung: mit ihr können mögliche Schwankungen, die bei der Stromproduktion mit erneuerbaren Energien entstehen, aufgefangen werden. Also durchaus zukunftsträchtig, diese Anlagen!
Herr Schmid gibt also grünes Licht für die große Forderung aller AKW-Gegner und gleichzeitig Entwarnung: würden alle AKWs auf einmal abgeschaltet werden, müssten wir nicht im Dunkeln sitzen. Wir würden auch weiterhin unseren Strom bekommen. Der Grund: Deutschland hat noch viel Reservekapazität. Allerdings sind diese an bereits abgeschaltete fossile Kraftwerke gekoppelt, die man für eine kurze Übergangszeit anschalten müsste. Das ist zwar unschön, doch wenn parallel ein Ausbau der erneuerbaren Energien stattfindet sind die durch die alten Anlagen entstehenden Emissionen nach Einschätzung von Herrn Schmid nicht relevant.
Das gesamte Interview findet ihr in der Frühjahrsausgabe des Rundbriefs von „ausgestrahlt – gemeinsam gegen atomenergie“.
www.ausgestrahlt.de
Herr Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schmid ist Leiter des Kasseler Institutsteils des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen.
Handy, Laptop & Co.: grün und fair?!
Um Rohstoffe gab es schon immer Streit. Einst um Erze und Gold, heute sind die 17 seltenen Erden wie Niob, Indium oder Gallium sehr gefragt. Der Grund: sie werden vor allem in der Solar-, Automobil-, IT-, Militär- und der Raumfahrt-Branche gebraucht und verarbeitet [1]. Zu den größten Lieferanten dieser seltenen Rohstoffe zählen China und die Demokratischen Republik Kongo. China besitzt über ungefähr ein Drittel der weltweiten Vorkommen und fördert zurzeit 97 Prozent des Weltmarktbedarfs. Im Kongo wird vor allem Zinn, Koltan, Wolframit und Gold abgebaut [2]. Durch das stete Wachstum der genannten Branchen wächst die Nachfrage für die Rohstoffe, reduziert damit das Vorkommen der Metalle und schürt große Konflikte.
Ausgehend von dieser Lage sprach China im Jahr 2010 Exporthemmnisse auf die seltenen Metalle aus [3]. Auf diese Weise soll der Bedarf der eigenen boomenden Wirtschaft gedeckt werden [4]. Aber auch die damit einhergehenden höheren Preise dürften für das asiatische Land sehr lukrativ sein. Die Folge: Länder weltweit erhalten weniger Rohstoffe und müssen im Vergleich zu früher für die gleiche Menge Rohstoffe höhere Preise zahlen [5]. Freihandelsbefürworter wollen jetzt gegen China klagen [6].
Im Ost-Kongo ist die Lage der Bevölkerung durch den Rohstoffhandel besonders kritisch. Infolge des Ressourcenkonflikts starben dort bereits fast 6 Millionen Menschen [7]. Die Bedingungen vor Ort in den Minen sind häufig sehr gefährlich und verletzen meistens Menschen- und Arbeitsrechte. Lediglich für ein paar Cent pro Tag arbeiten Erwachsene, aber auch Kinder, in dunklen Tunneln ohne Schutzkleidung und nur ihre bloßen Hände dienen ihnen als Werkzeug [8]. Auf die Bevölkerung und Minenarbeiter finden außerdem stets Übergriffe statt [9]. Frauen und Mädchen werden vergewaltigt, verletzt und getötet [10]. Die Täter sind Mitglieder der Armee und Rebellengruppen, die ihre Bewaffnung durch den Erlös des Abbaus finanzieren [11]. Nachbarländer wie Ruanda und Uganda destabilisierten in den vergangenen Jahren das afrikanische Land zusätzlich durch Invasionen, Unterstützung bewaffneter Gruppen und Ausbeutung der Mineralien [12].

Foto: Mark Craemer (Unter: http://www.germanwatch.org/)
http://www.interportal.ch/de/blitzlicht/2011/10/reichtum-fuer-wenige-und-elend-fuer-viele
Dick im Geschäft
China lässt sich nicht verunsichern von den Unruhen, die durch die von ihnen ausgesprochene reduzierte Ausfuhrquote entstanden ist. Stattdessen versucht das Land seine Position als größter Exporteur von Rohstoffen auszubauen. Neben den Exporthemmnissen kauft sich das Land massiv in Entwicklungsländern mit großem Rohstoffvorkommen ein. Aber auch Deutschland plant Partnerschaften mit rohstoffexportierenden Ländern wie der Mongolei oder Kasachstan. Die deutsche Regierung will mit dieser Rohstoffstrategie die Ressourcenversorgung für die deutsche Industrie sichern [13].
Von der Wiege bis zur Bahre
Im Kampf gegen die Verknappung seltener Rohstoffe ist das Recycling von Elektronikgeräten ein zentraler Punkt. In Handys und Laptops sind über 30 Metalle verarbeitet [14]. Sie sind damit eine wahre Goldgrube. Die Recyclingausbeute von Gold liegt bei 95 Prozent. Leider werden derzeit nur drei Prozent aller Handys recycelt [15]. Der Rest wird als Restmüll verbrannt oder liegt noch in den Schubladen ihrer Besitzer rum [16]. Welche Vergeudung! Wie hoch die Ausbeute anderer Metalle aus den Elektronikgeräten ist, ist bisher noch unklar. Hier besteht noch großer Forschungsbedarf, für den Gelder zur Verfügung gestellt werden sollten [17]. Der Ressourcenverbrauch lässt sich aber auch durch einen effizienteren Materialeinsatz bei der Herstellung und durch eine längere Nutzung der Geräte verringern. Hier ist die Politik gefragt, die gesetzliche Garantie für Hightech-Geräte auf drei Jahre zu erhöhen [18].
Was kann ich selbst tun?
Nicht auf Reaktionen der Politik hoffen und warten, sondern selbst aktiv werden!
Vielen Menschen ist die mit dem Rohstoffhandel verbundene Problematik nicht bewusst. Dies gilt es zu ändern! Macht das Thema bei euren Freunden bekannt, fragt in Handyläden nach fair produzierten Handys nach und unterstützt die makeITfair-Initiative. Gelegenheit dazu habt ihr jederzeit, vor allem am 7. Mai 2011, dem Internationalem makeITfair Aktionstag.
Weitere Infos:
www.germanwatch.org/makeitfair
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Blutige Handys
Der dänische Regisseur Frank Poulsen stellt die Problematik des Rohstoffabbaus im Kongo in einem Dokumentarfilm "Blutige Handys" anschaulich dar. Der Film erhielt auf der Berlinale 2011 den "CINEMA FÜR PEACE Award for Justice".
Website des Films:
http://bloodinthemobile.org/de
[1] Heydenreich, Cornelia (2011): Rohstoffnutzung 2.0. In: WEITBLICK 1/2011, S.1.
[2] ebd.
[3] ebd.
[4] Wiegmann, Daniela (2011): Kampf um Rohstoffe wird schärfer. In: Badische Zeitung vom 03.01.2011. (Unter: http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/kampf-um-rohstoffe-wird-schaerfer--39549240.html, Stand: 31.03.2011).
[5] Kaufmann, Matthias (2010): Deutsche Industrie warnt vor Rohstoff-Engpass. In: SPIEGEL vom 15.08.2010. (Unter: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,711559-2,00.html, Stand: 04.04.2011).
[6] Heydenreich, Cornelia (2011): Rohstoffnutzung 2.0. In: WEITBLICK 1/2011, S.1.
[7] Kusch, Johanna (2011): Das erste konfliktfreie iPhone von Apple ? die Geschichte einer Falschmeldung. In: WEITBLICK 1/2011, S.2.
[8] o.A. (2010): "Blutige Handys": Ein Film von Frank Piasecki Poulsen. (Unter: http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2010/1129/handys.jsp, Stand: 06.04.2011).
[9] Viktorin, Alexander (2010): Die Wahrheit in Szene gesetzt. In: ZEIT ONLINE vom 25.11.2010. (Unter: http://www.zeit.de/kultur/film/2010-11/dokumentarfilmfest-amsterdam-idfa, Stand: 28.03.2011).
[10] Schrader, H.R. (2011): Kongo ? Schlachtbank Zentralafrikas. (Unter: http://www.africanewsnetwork.de/?p=432, Stand: 06.04.2011).
[11] ebd.; Viktorin, Alexander (2010): Die Wahrheit in Szene gesetzt. In: ZEIT ONLINE vom 25.11.2010. (Unter: http://www.zeit.de/kultur/film/2010-11/dokumentarfilmfest-amsterdam-idfa, Stand: 28.03.2011).
[12] Kusch, Johanna (2011): Das erste konfliktfreie iPhone von Apple ? die Geschichte einer Falschmeldung. In: WEITBLICK 1/2011, S.2.; Räther, Frank B. (2003): Grausame Kindersoldaten. In: FOCUS Magazin, Ausgabe Nr. 22. (Unter: http://www.focus.de/politik/ausland/kongo-grausame-kindersoldaten_aid_193321.html, Stand: 06.04.2011).
[13] Heydenreich, Cornelia (2011): Rohstoffnutzung 2.0. In: WEITBLICK 1/2011, S.1.
[14] ebd.
Der Moratoriums-Bluff
Die ganze Welt ist seit dem 11. März 2011 in Aufruhr. Die Störfälle, Explosionen und Rauchwolken in und um die japanischen Atomkraftwerke beunruhigen die Menschen weltweit – aus gutem Grund.
Am 15. März 2011 hat Frau Merkel auf die Ereignisse in Japan reagiert. Für sieben Meiler veranlasste sie für insgesamt drei Monate ein Moratorium, d.h. diese Anlagen werden für den genannten Zeitraum stillgelegt [1]. Betroffen sind Biblis A und B (Hessen), Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 (Baden-Württemberg), Brunsbüttel und Krümmel (Schleswig-Holstein) sowie Isar I (Bayern) [2]. Ebenfalls soll bei allen Atomkraftwerken in Deutschland ein Sicherheitscheck durchgeführt werden [3]. Doch basiert dieser Beschluss auf wirklicher Einsicht und Abkehr von der Atompolitik?
Eine nähere Analyse zum Stand der betroffenen AKWs lässt ein deutliches „NEIN“ vermuten. Das Atomkraftwerk in Krümmel steht infolge mehrerer Zwischenfälle seit dem 4. Juli 2009 bereits still [4]. Biblis B ist schon am 28.02.2011 wegen eines Defekts zur Revision abgeschaltet worden [5]. Auch mit den anderen AKWs steht es kritisch. Seit über dreieinhalb Jahren ist der Meiler in Brunsbüttel nicht mehr am Netz. Laut einem juristischen Gutachten der Grünen müsste Vattenfall für eine Wiederaufnahme des Betriebs eine Fristverlängerung beantragen. Ein solcher Antrag ist jedoch nicht gestellt worden [6]. Der Reaktor Philippsburg 1 ist seit dem 19. Februar 2011 für eine Revision vom Netz [7]. Der Meiler Neckarsheimwest 1 läuft nach Auffassung von Greenpeace seit dem 10. Januar 2011 ohne gültige Betriebsgenehmigung [8]. Biblis A wäre planmäßig im Juni für 8 Monate vom Netz gegangen. Jetzt ist dieses Vorhaben durch den neuen Beschluss schon früher umgesetzt worden [9]. Allein der Meiler Isar1 ist bisher normal in Betrieb gewesen [10].
Zusammenfassend lässt sich sagen: fünf der sieben vom Moratoruim betroffenen AKWs waren bereits zuvor vom Netz gegangen oder waren nicht in Betrieb [11]. Nur der Betrieb von Biblis A und Isar 1 ist durch Merkels Beschluss eingeschränkt worden.
Viele Naturschutzorganisationen und Politiker vermuten hinter dem Moratorium einen direkten Zusammenhang zu den Landtagswahlen 2011. Am 27. März wird in Hessen, Rheinland-Pfalz sowie Baden-Württemberg und am 22. Mai in Bremen gewählt [12]. Also alles Länder, in denen selbst oder zumindest in deren Nachbar-Bundesland die betroffenen AKWs stehen.
[1] Tagesschau (15.03.2011): Laufzeitverlängerung wird vorläufig ausgesetzt. (Unter: http://www.tagesschau.de/inland/atomdebatte122.html, Stand: 24.03.2011).
[2] Tagesschau (22.03.2011): Atomgipfel, die Zweite. (Unter: http://www.tagesschau.de/inland/atomtreffen100.html, Stand: 24.03.2011).
[3] Tagesschau (15.03.2011): Laufzeitverlängerung wird vorläufig ausgesetzt. (Unter: http://www.tagesschau.de/inland/atomdebatte122.html, Stand: 24.03.2011).
[4] GREENPEACE (02.07.2010): AKW Krümmel: Mehr als ein Jahr Stillstand. (Unter: http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/akw_kruemmel_mehr_als_ein_jahr_stillstand/, Stand: 24.03.2011).
[5] DER TAGESSPIEGEL (28.02.2011): Atomkonzerne können Steuer umgehen. (Unter: http://www.tagesspiegel.de/politik/atomkonzerne-koennen-steuer-umgehen/3888916.html, Stand: 24.03.2011).
[6] NDR (20.12.2010): Die Grünen sollten klagen. (Unter: http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/kommentare/kommentar1017.html, Stand: 24.03.2011).
[7] Klimaretter (19. Februar 2011): AKW Philippsburg schon wieder vom Netz. (Unter: http://www.klimaretter.info/energie/nachricht/7991-akw-philippsburg-schon-wieder-vom-netz, Stand: 24.03.2011; ZEIT ONLINE (19.03.2011): Atomkraftwerk Biblis vom Netz genommen. (Unter: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/atomkraftwerk-biblis-moratorium, Stand: 24.03.2011).
[8] GREENPEACE (10.03.2011): Greenpeace: AKW Neckarwestheim läuft ohne gültige Betriebserlaubnis. (Unter: http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/presseerklaerungen/artikel/greenpeace_akw_neckarwestheim_laeuft_ohne_gueltige_betriebserlaubnis/, Stand: 24.03.2011).
[9] Frankfurter Allgemeine Zeitung (14.03.2011): Mögliches Aus für Biblis A. (Unter: http://m.faz.net/Rub5785324EF29440359B02AF69CB1BB8CC/Doc~EFC8B62A292EF42009BE8E1BDA4072731~ATpl~Epartner~Ssevenval~Scontent.xml, Stand: 24.03.2011).
[10] contrAtom (18.03.2011): AKW-Status. (Unter: http://www.contratom.de/atomstandorte/deutschland/atomkraftwerke/akw-status/, Stand: 24.03.2011).
[11] ZEIT ONLINE (19.03.2011): Atomkraftwerk Biblis vom Netz genommen. (Unter: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/atomkraftwerk-biblis-moratorium, Stand: 24.03.2011; N-TV (17.03.2011): EnBW lässt Bescheid prüfen. (Unter: http://www.n-tv.de/politik/EnBW-laesst-Bescheid-pruefen-article2876186.html, Stand: 24.03.2011).
[12] Bundesrat (2011): Termine der Landtagswahlen. (Unter: http://www.bundesrat.de/nn_8338/DE/termine/wahltermine/wahltermine-node.html?__nnn=true, Stand: 24.03.2011).
E10 – der Wolf im Schafspelz
Seit Anfang Januar wird an vielen Tankstellen in Deutschland der neue Kraftstoff E10 angeboten. Die Nachfrage nach dem Agrosprit ist bisher sehr gering. Das liefert vor allem Politikern und Mineralölwirtschaft derzeit Diskussionsstoff. Die meisten Autofahrer weigern sich, den neuen Kraftstoff zu tanken, da sie durch den Ethanolanteil von E10 Motorschäden an ihren Autos befürchten. Ein Schaden, auf den die Fahrzeughalter laut ADAC zunächst sitzen bleiben würden. Verbindliche Information des Kraftfahrt-Bundesamtes, welche Autos den Agrosprit vertragen, werden derzeit bearbeitet (dpa/dapd (2011): Streit um Gründe für das Biosprit-Fiasko. In: Münchner Merkur, 8.März 2011, S. 7).
Aber vor allem im Hinblick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist E10 kritisch zu betrachten. Mit dem neuen Kraftstoff sollen CO2-Emmissionen reduziert werden. Laut Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung der EU muss Agrosprit mindestens 35 Prozent CO2 einsparen. E10 besteht jedoch nur zu 10 Prozent aus Bio-Ethanol, die restlichen 90 Prozent sind Benzin. Demnach wird mit E10 nur 3,5 Prozent CO2 eingespart. Das ist sehr wenig setzt man diese Zahl in Relation zu den Risiken und Nebenwirkungen, die die Produktion von Bio-Ethanol hervorruft (Umweltinstitut München e.V. (Januar 2011): E 10 – Agrosprit boykottieren. Unter: http://umweltinstitut.org/agro-kraftstoffe/allgemeines/e10---das-neue-agrobenzin-815.html, Stand: 23.03.2011).
Mit dem Anbau von Agrosprit-Pflanzen wie Zuckerrohr, Getreide oder Rüben werden riesige wertvolle Naturflächen wie Wälder, Savannen oder Wiesen in Ackerflächen umgewandelt. Allerdings nicht direkt für die Ethanol-Produktion, sondern für die „indirekte Landnutzungsänderung“. Während die Agrosprit-Pflanzen auf bereits bestehenden Ackerflächen angebaut werden, erschließt man für den Anbau von Nahrungsmittel, die bisher auf diesen Flächen angebaut wurden, neue Flächen. Durch die Umwandlung der neuen Flächen wird CO2 freigesetzt. Dieser Ausstoß wird jedoch bisher nicht in der Biomassennachhaltigkeitsverordnung erfasst. Dadurch fällt die Bilanz der CO2-Emmissionen für E10 viel besser aus als sie in Wirklichkeit ist (ebd.).
Auch die konkrete Flächennutzung im Zuge der Ethanol-Produktion ist kritisch zu sehen. Häufig werden hierfür Äcker mit schlechten Böden genutzt. Diese degradierten Flächen lagen vor ihrer Neunutzung häufig brach, weil sie nicht mehr rentabel waren. Um dies zu ändern, wird bei dem Anbau von Agrosprit-Pflanzen mit großen Mengen Kunstdünger nachgeholfen. Eine Maßnahme, die alles andere als klimafreundlich ist (ebd.).
Zusätzlich steht der Anbau von Agrosprit-Pflanzen in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. Das treibt die Preise stark in die Höhe - für Ackerland und vor allem für grundlegende Nahrungsmittel wie Mais oder Weizen (ebd.). Eine Entwicklung, die vor allem die ärmsten Menschen am heftigsten trifft.
Aber auch unsere Nahrungsmittel mit ihren verschiedenen Zutaten wie zum Beispiel der Alkohol sind davon betroffen. Er wird in der Nahrungsmittelproduktion an vielen Stellen gebraucht, etwa für die Herstellung von Essig. Zucker, aus dem Alkohol hergestellt wird, entwickelt sich im Zuge der Agrosprit-Produktion zu einem teuren Rohstoff. Das wirkt sich auch auf die Preise unserer Nahrungsmittel aus. Zusätzlich entsteht noch ein weiteres Problem. Steigen die Preise für nachwachsende Rohstoffe, kann es für einen Landwirt attraktiver werden, Weizen statt Gemüse anzubauen, weil er dadurch viel mehr verdienen kann. Ein geringeres Angebot an Gemüse treibt auch hier die Preise in die Höhe (ebd.).
Durch die Produktion von Agrosprit wird darüber hinaus die konventionelle Landwirtschaft und industrielle Monokulturen gestärkt und ausgeweitet. Das erhöht den Druck auf die ökologische Landwirtschaft und deren Flächennutzung und wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen aus (ebd.).
Der direkte Verbrauch des neuen Kraftstoffs hat zusätzlich negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass Agro-Abgase Aldehyde enthalten. Diese chemischen Verbindungen gelten als Vorläufer des Ozons und können in hohen Konzentrationen Atemwegsreizungen auslösen (ebd.).
Zusammengefasst fällt die Bilanz für den neuen Agrosprit schlecht aus – ob es um den Natur- und Klimaschutz geht, um unsere Nahrungsmittelproduktion oder die Gesundheit von Mensch und Umwelt: von E10 als Kraftstoff ist klar abzuraten!
Weitere Informationen:
http://www.umweltinstitut.org
Greenwashing für Kohlekraft
Was machen mit dem CO2, dem Klimakiller Nr. 1, das täglich in die Atmosphäre ausgestoßen wird? Wenn es in der Atmosphäre so viel Schaden anrichtet, warum dann nicht einfach unter die Erde packen?! So jedenfalls planen es derzeit Politiker und Energiekonzerne. Die Idee ist angelehnt an die CCS-Technologie. Das Kürzel CSS steht für carbondioxide capture and storage. Bei dieser Kohlenstoff-Abscheidung und -Speicherung wird das CO2-Gas aus dem Rauchgas der Kraftwerke abgetrennt, zusammengepresst und in unterirdischen Hohlräumen, z.B. in ehemaligen Gaslagerstätten oder stillgelegten Salzbergwerken gelagert (BUND (18.November 2011): Gutachten: Abscheidung und Endlagerung von CO2 aus Kohlekraftwerken birgt enorme Risiken. (Unter: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/klima_und_energie/20101125_klima_energie_ccs_gutachten_zusammenfassung.pdf, Stand: 23.03.2011)).
Aus den Augen, aus dem Sinn!? Dieses neue Verfahren hört sich zunächst für viele verlockend an. Allerdings ist es mit enormen Risiken verbunden, vor denen der BUND in seinem aktuellen geologischen Gutachten warnt (ebd.). Es gibt verschiedene Gründe, warum Umweltschützer die CCS-Technologie kritisch betrachten. Die wichtigsten Argumente sind:
- Die CO2-Speicherung unter Tage kann Leckagen oder Erdbeben verursachen. Wenn beispielsweise das CO2 mit den unterirdischen Gesteinsschichten chemische Reaktionen auslöst, können Lecks entstehen. Plötzliche Unfälle durch CO2-Freisetzungen als Folge sind denkbar. Die Gasmenge, die durch Lecks strömen kann, liegt bei einer Rate von 0,1 bis 1 Prozent in 100 Jahren. Demnach werden zukünftige Generationen unser CO2 wieder in der Atmosphäre haben.
- Die CCS-Methode kann eine Versalzung des Grundwassers bewirken, wenn das verpresste CO2 Salzwasser durch Sandsteinschichten ins Grundwasser drückt.
- Will man den gesamten CO2-Ausstoß aller deutschen Kohlekraftwerke unter der Erde speichern, reicht das verfügbare geologische Fassungsvermögen des Untergrunds höchstens 27 Jahre lang. Kommen andere Nutzungen des Untergrunds hinzu (z.B. Erzabbau, Gewinnung erneuerbarer Energien wie Geothermie) verringert sich diese Zeit.
- Die Erforschung und Entwicklung der CO2-Speicherung wird politisch und öffentlich finanziell stark unterstützt. Dadurch droht den erneuerbaren Energien eine Benachteiligung.
- CCS-Methode ist verbraucht sehr viel Energie. Der Wirkungsgradverlust beträgt 10%-Punkte, d.h. um die gleiche Menge Strom zu erzeugen, müsste deutlich mehr Kohle abgebaut werden.
- Die CO2-Speicherung ist teurer. Mehrkosten zwischen 1 bis 7 Cent pro Kilowattstunde sind möglich. Daraus ergäbe sich eine Verdopplung der Stromentstehungskosten aus Kohle.
- Die CCS-Technologie dient lediglich den Interessen der großen Energiekonzerne. Statt ihren generellen CO2-Ausstoß zu senken wird das Gas verbuddelt. Das liefert den Kohlekraftwerken eine positive Klimabilanz und erlaubt ihnen, weiterhin Kohlekraftwerke zu betreiben und zu bauen. Eine wirkliche CO2-Minderung im Stromsektor wird dadurch deutlich behindert.
- Die Energiekonzerne müssen nur die ersten 30 Jahre für Risiken während des Betriebs haften. Danach wird die Haftungsaufgabe den Bundesländern übertragen. Mögliche Kosten, die durch die Risiken entstehen, zahlen am Ende die Bundesländer und damit auch die Steuerzahler.
- Viele Fragen sind noch offen, zum Beispiel: ob die CSS-Methode überhaupt machbar und bezahlbar ist (ebd.; BUND (27. August 2010): Fragwürdiges CCS-Gesetz soll schmutzigem Kohlestrom sauberes Image verschaffen. Verpressung von CO2 birgt enorme Risiken. (Unter: http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/zurueck/pressemitteilungen/artikel/fragwuerdiges-ccs-gesetz-soll-schmutzigem-kohlestrom-sauberes-image-verschaffen-verpressung-von-co2/, Stand: 23.03.2011)).
Insgesamt lässt sich sagen, dass das CSS-Verfahren nicht zum Klimaschutz beiträgt. Im Gegenteil: Es steht einer Energiewende hin zu mehr Energieeffizienz und dem Ausbau erneuerbarer Energien klar im Weg.
Vor der eigenen Haustür
Über 408 Standorte kommen in Deutschland für die CO2-Speicherung in Frage. Vor allem wer in Norddeutschland (Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg) wohnt, könnte in Zukunft von den Planungen betroffen sein. Aber auch für Bayern sind einige Endlagerstätten für CO2 vorgesehen. Konkretere Informationen über die möglichen Standorte erhaltet ihr hier: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/klima_energie/co2_endlagerung/standortkarte/
Gesetzesverabschiedung für November geplant
Derzeit arbeitet das Kanzleramt sowie das Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium unter Hochdruck an einem Gesetz, das die Errichtung von Anlagen mit dieser CCS-Technologie regeln soll. Das Gesetz soll bereits im November vom Kabinett verabschiedet werden (BUND (18.November 2011): Gutachten: Abscheidung und Endlagerung von CO2 aus Kohlekraftwerken birgt enorme Risiken. (Unter: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/klima_und_energie/20101125_klima_energie_ccs_gutachten_zusammenfassung.pdf, Stand: 23.03.2011)).
Aus diesem Grund gilt es zu handeln und deutlich zu zeigen, dass wir aufgrund der vielen Risiken, die mit dem Verfahren verbunden sind und aufgrund der bisher ungeklärten Fragen, gegen die CO2-Speicherung sind. Bereits im letzten Jahr sind als Protest gegen dieses Verfahren bundesweit an 134 Orten über 22.000 Bäume gepflanzt worden – vorrangig in Gebieten, die als CO2-Endlager angedacht sind.
Ihr könnt diese Aktion jederzeit unterstützen und ebenfalls Bäume pflanzen. Weitere Informationen, aktueller Stand der Pflanzaktionen und eine Karte der Aktionen findet ihr unter www.baeume-statt-co2-endlager.de.
Bei allen Fragen rund um die Organisation von Pflanzaktionen unterstützt Plant-for-the-Planet: Info-Hotline 040 822 90 426.
Weitere Infos:
www.bund.net
Wasser als Menschenrecht
Im Juli dieses Jahres hat die UN festgeschrieben, dass sicheres und sauberes Wasser ein Menschenrecht ist. Bolivien hatte die Resolution vorgelegt und darauf aufmerksam gemacht, dass fast 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben und weltweit pro Jahr mehr als 3,5 Millionen Menschen an verschmutztem oder mangelndem Wasser sterben. Trotz dieser enormen Zahlen stellten sich vor allem Kanada, aber auch die USA, Australien und Großbritannien gegen diese Initiative Boliviens und sorgten somit für einen Nord-Süd-Konflikt. Denn ein Großteil der Entwicklungsländer wollten Wasser als Menschenrecht durchgesetzt sehen.
Die Anerkennung durch die UN ist von hohem symbolischem Wert, kann jedoch nicht von einzelnen Völkern eingeklagt werden. Die Resolution ist völkerrechtlich nicht bindend. Jedoch kann sie – und wird hoffentlich – die Politik von Staaten beeinflussen.
Nach der Weltwasserwoche in Stockholm haben sich nun Deutschland und Spanien zusammen geschlossen, um im UN-Menschenrechtsrat in Genf eine neue Resolution vorzulegen. Dies soll wieder einen allgemeinen Konsens herstellen, um gemeinsam gegen die Wassernot vorzugehen.
Das Stockholm International Water Institute (SIWI) unterstützt die Initiative Boliviens und stellt die Verantwortung der einzelnen Staaten heraus. Denn damit sich jeder Bürger Trink- und Brauchwasser sowie die Entsorgung von Abwasser leisten kann, muss der Staat private Unternehmen überwachen und regulieren.
Weitere Infos:
www.blueplanetproject.net
www.siwi.org
Klares Nein zu Gentechnik!
Es ist jetzt schon etwa 10 Jahre her, seit die ersten transgenen Pflanzen in der Landwirtschaft eingeführt worden sind. Die Sorgen der Konsumenten aber sind seither nicht kleiner geworden. Das liegt wohl auch daran, dass selbst die Politiker in ihren eigenen Reihen sich nicht einigen können. Bundskanzlerin Angela Merkel will die Gentechnikindustrie voranbringen, während Ministerpräsident Horst Seehofer Bayern gentechnikfrei halten will. Agrarministerin Ilse Aigner sitzt zwischen den Stühlen.
Doch warum diese Unentschlossenheit? Folgende Fakten könnten Klarheit verschaffen:
- Trotz Gen-Food hungern weltweit immer mehr Menschen – Gentechnik bekämpft den Hunger der Welt nicht.
- Gentechnik ist nicht sicher. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind nicht kontrollierbar. Manipulierte Gene sind nicht rückholbar.
- Gentechnik schafft keine neuen Arbeitsplätze, sondern rationalisiert und vernichtet Arbeitsplätze in der Landwirtschaft.
- Genkontaminationen bedrohen den Ökolandbau und die bäuerliche Landwirtschaft in ihrer Existenz.
- Regenwälder werden gerodet und Moore trocken gelegt, um Gentechnik umzusetzen.
- Gentechnik hilft nicht bei der Reduktion von Pestiziden. Genfelder brauchen mehr Pflanzengifte.
- Gentechnik ist keine Weiterentwicklung neuer Züchtungen, sondern erzeugt Laborkonstrukte, die niemals natürlich entstehen würden.
- Gentechnik schadet der biologischen Artenvielfalt!
Bitte lasst Euch von der Genlobby keine Märchen erzählen!
Weitere wahre Informationen erhaltet ihr auch unter:
www.umweltinstitut.org/gen-luegen
Epigen über Agro-Gentechnik
Unter Agro-Gentechnik, auch grüne Gentechnik genannt, versteht man die Arbeit mit gentechnisch veränderten Organismen, insbesondere in der Agrar-, Forst- und Fischereiproduktion.
Herr Andreas Bauer-Panskus, einst Gentechnikreferent beim Umweltinstitut München, ist als selbständiger Experte im Bereich Agro-Gentechnik in der Landwirtschaft tätig. Hierfür hat er eine Internet-Seite ins Leben gerufen (epi-gen), die das Thema aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet und aufbereitet. Es wird regelmäßig Newsletter und Texte geben, die über neue Erkenntnisse oder Geschehnisse berichten.
Weitere Informationen und Angebote findet ihr hier:
www.epi-gen.de 
ATOM ALARM
Die Atomlobby siegt!
In der Nacht von Sonntag, 05.09. auf Montag, 06.09.2010 wurde im Kanzleramt eine Entscheidung getroffen: Ein Beschluss, welcher RWE, E.on, EnBw und Vattenfall Europe fördert. Sie erhalten längere Laufzeiten für ihre Atommeiler. Neue Energiereform? So soll das verstanden werden. Der letzte Atommeiler soll 2040 erst ausgeknipst werden. Für dieses Geschenk der Regierung an die Atomlobby soll diese eine Steuer zahlen und auf freiwilliger Basis in den nächsten 30 Jahren 14 Milliarden Euro in den Klimaschutzfonds einzahlen. Und was passiert mit dem Rest der Gewinne, den die Meilerbetreiber kassieren? Den stecken sie doch dann hoffentlich in die Kosten für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle – aber das ist nur mein Wunsch...
Jetzt haben wir die so genannte „Brücke“ ins Zeitalter der erneuerbaren Energien – sie ist verdammt lang. Und warum? Das wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass es fach- und sachliche Hinweise darüber gibt, dass sich Atom- und Ökoenergie nicht miteinander vertragen.
Einer der Gründe dafür ist die Frage des Geldes: Wächst der Anteil des aus grüner Technologie gewonnenen Stroms, muss der Meilerbetreiber seine Reaktoren öfter abstellen. Wenn sie das nicht machen, weil das Hoch- und Runterfahren teuer ist, stürzen die Energiepreise an der Börse in die Tiefe, da ein Überangebot an Strom auf dem Markt liegt. Für Windstromerzeuger bleibt das bisher folgenlos, da sie die Zusicherung erhalten haben, dennoch eine vernünftige Vergütung zu erhalten. Zudem ist die Grünstrom-Förderung vom Börsengeschehen derzeit noch unabhängig. Das aber soll sich ändern, so will das zumindest der Wirtschaftsminister. Die Änderung hätte zur Folge, dass die Wind- und Sonnenenergieproduzenten noch zeitweise Geld dazu abgeben müssten. Somit würde die Ökorevolution garantiert nicht schneller vorankommen. Und das, obwohl im Energiepaket der Regierung doch auch der Ausbau und die Infrastruktur von Ökostrom verbessert werden soll.
Alles sehr verwirrend und einfach nicht geradlinig. Vielleicht weil sich die Regierung nicht traut geradlinig zu fahren. Würde sie die Ökowende direkt ersticken, hätte sie den Marktanschluss und das Volk verloren. Würde sie die Atomlobby nicht unterstützen – ja dann? Dann könnte sich die Atomlobby viele Lügen sparen. Hier die Atom-Lügen, die uns von Tschernobyl ablenken:
- Atomstrom ist billig. Nein! Er würde ohne Subventionen pro Kilowattstunde 2 € kosten.
- Atomkraftwerke sind harmlos. Nein! Sie verursachen nachweislich Krebs bei Kindern.
- Für den Atommüll gibt es Lösungen. Nein! Weltweit gibt es kein Endlager für hochaktive, über 1 Mio. Jahre strahlende Abfälle.
- Atomstrom ist heimische Energie. Nein! Atomstrom benötigt Öl und Gas, welche importiert werden müssen.
- Atomkraft rettet das Klima. Nein! Mit nur 2 % Anteil am weltweiten Energieverbrauch ist Atomstrom keine Rettung für das Klima.
- Ohne Atomstrom können wir die Energieversorgung nicht decken. Nein! Deutschland produziert seit 2003 mehr Strom als wir benötigen.
- Längere Laufzeiten helfen bei der Umstellung auf erneuerbare Energien als Brückentechnologie. Nein! Längere Laufzeiten produzieren mehr Atommüll, höheres Risiko und blockieren die Entwicklung von erneuerbaren Energietechniken
Sonnenstrom auf Überholkurs
Atomkraftwerke sind nicht nur gefährlich, eine Verlängerung der Laufzeiten würde zusätzlich bedeuten, dass alternative Energien nicht genug vorangetrieben würden. Die Stromerzeugung in Bayern zum Beispiel wäre selbst in 20 Jahren noch von Atomstrom abhängig. Dabei wäre das gar nicht nötig. Die Zukunft liegt in erneuerbaren Energien.
Eicke Weber, Chef des größten europäischen Solarforschungszentrums ISE in Freiburg, baut absolut auf Sonnenenergie. Die Folgen des Klimawandels werden immer offensichtlicher und bedrohlicher, fossile Ressourcen werden teurer, während Solarstrom bald billiger wird als der Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken. Denn die Entwicklung der Photovoltaik macht riesige Sprünge. Künftige Solaranlagen werden bald weit mehr leisten können als heute noch. Laut Eicke Weber passt alt und neu aus wissenschaftlicher Sicht nicht zusammen. Da muss sich die Politik entscheiden - mehr Atomkraft oder mehr erneuerbare Energien.
Von Biogas und Lerchenfenstern
Der Schuss ging nach hinten los
Um das Jahr 2000 verabschiedete die rot-grüne Bundesregierung das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), mit der Absicht, den Anteil „alternativer“ Energien aus Sonne, Wind, Wasserkraft oder Biomasse zu erhöhen. Mit besonderen Zuschüssen und Boni wurde da gelockt, um Investitionen zu fördern. Dies hatte einen regelrechten Boom zur Folge. Biomasse zum Beispiel gilt mittlerweile als wichtigste erneuerbare Energie. Anstatt in anderen Ländern die Regenwälder zu zerstören, dachte man sich, es wäre gut, Biogas aus heimischem Anbau zu nutzen, Energie also vor Ort zu erzeugen. Was als nachhaltige Idee, zum Schutz des Klimas, begann, wurde aber leider nicht so umgesetzt. Statt durchdachte Landwirtschaft zu betreiben, wurde ein regelrechter Industriezweig aus dem Boden gestanzt. Mais als besonders effiziente Energiepflanze wurde hektarweise angepflanzt. Politisch legitimiert und bezuschusst hatten es die Bauern und Investoren leicht, nur noch Maismonokulturen zu betreiben.
Artensterben als Folge
Das Artensterben wurde dadurch enorm in die Höhe getrieben wurde. Die Tiere brauchen Weiden, Brachland, Äcker, Feuchtwiesen etc. Lerchen zum Beispiel bauen ihre Nester auf Äckern im Schutz des Beikrauts. Durch Spritzen und Düngen beim Maisanbau wird aber jegliches Kraut vernichtet. So gibt es keinen Schutz mehr vor plündernden Raubvögeln und Füchsen. Kaum eine Vogelart hat in den letzten Jahrzehnten in Bayern solche Bestandseinbußen erlitten wie die Feldlerche. Die Zahl der Brutpaare ist in den letzten 20 Jahren um etwa 50% gesunken!
Aber nicht nur die Feldlerche ist betroffen: Flurbereinigung und Maschinen zerstören Nester und Nahrung des Rebhuhns, der Weißstorch kann seine Jungen nicht mehr füttern, wenn Feuchtwiesen entfernt werden, der Kiebitz ist stark gefährdet, denn er braucht Dauergrünland für Nahrung und Nestbau. Und dies ist nur eine Auswahl an bedrohten Arten!
Die enorme Ausbreitung von Mais-Monokulturen, das Zusammenlegen und Begradigen von Äckern, damit keine Knicks und Bauminseln ungenutzt bleiben etc., das alles ist eher eine Ausbeutung der Rohstoffe der Natur und ein Vorantreiben des Artensterbens, kein Klimaschutz!
Lerchenfenster als Lösung
Dieses Jahr haben Bayerns Ökolandwirte, die ohnehin auf Pestizide und Kunstdünger verzichten, eine Initiative zum Schutz der gefährdeten Tierart gestartet und über 600 Lerchenfenster angelegt. Die Methode wurde in Großbritannien entwickelt. Der Landwirt stellt dafür bei der Getreideaussaat seine Sämaschine einige Meter lang ab. Dadurch entsteht inmitten des Getreideackers eine etwa zwanzig Quadratmeter große Stelle ohne Aussaat. Dort wachsen für eine Saison nur Wildkräuter wie Klatschmohn oder Acker-Rittersporn, genau das richtige Umfeld für die Feldlerche. Die Vögel legen dann ihr Bodennest an den Fenstern an. Mit dieser Methode kann der Bruterfolg bis zu dreimal höher sein als auf Flächen ohne Lerchenfenster. Der ausgefallene Ertrag an dieser Stelle beträgt nur 0,4% und wird mit dem doppelten Warenwert entschädigt. Den Vögeln ist somit auf jeden Fall entscheidend geholfen!
Insgesamt 65 Ökohöfe haben über 600 Lerchenfenster angelegt. Hofpfisterei, Naturland und LBV sind glücklich über die gelungene Kooperation und wollen das so erfolgreich gestartete Projekt in den nächsten Jahren fortführen.
Hofpfisterei und PANGUANA – ein Beitrag zum Klimaschutz
Die Hofpfisterei kann auf eine fast 700 jährige Geschichte zurückblicken. Von einer konventionellen Brotherstellung hat sie sich abgewendet und erzeugt seit 1984 nur noch ökologische Ware! Sie engagiert sich in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. So fördert sie zum Beispiel auch die Bildungsarbeit des LBV.
Ein weiteres Projekt, das die Hofpfisterei unterstützt, ist Panguana, Forschungsstation und Schutzgebiet im peruanischen Amazonas-Tiefland. Die Station wurde 1968 von den Eltern der heutigen Leiterin Juliane Diller gegründet, alle drei sind Biologen und Ökologen aus Deutschland.
Der größtenteils unberührte Primärregenwald dort weist ganz unterschiedliche Habitate auf und bietet eine ideale Grundlage für die Erforschung der vielfältigen ökologischen Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren. Neben der Erkundung der Artenvielfalt wird auch Bildungsarbeit geleistet. Der einheimische Verwalter hat immer wieder Kinder und Erwachsene zu Besuch, denen er das Ökosystem und die Wichtigkeit dessen Schutzes erklärt. Durch die Wissensvermittlung und Einbeziehung der dort lebenden Menschen kann die Einsicht erreicht werden, dass der Erhalt der Umwelt vorteilhafter ist, als ein kurzfristiger Gewinn durch Jagd, Goldwäscherei, Holzverkauf oder Brandrodung. Denn an sich herrscht dort sehr nährstoffarmer Boden. Durch die Rodung kann nur ein sehr kurzfristiger Profit rausgeschlagen werden. Die Zerstörung jedoch ist viel massiver und steht in keinem Verhältnis zum Gewinn. Denn dadurch werden riesige Mengen an schädlichem CO² und andere giftige Gase frei gesetzt.
Zusätzlich werden zahlreiche Arten gefährdet, die wiederum alle notwendig sind für ein stabiles Ganzes und ein gesundes Klima. Nur durch den natürlich Wechsel zwischen Pflanzenwachstum, Abbau von toter Biomasse durch Pilze und Bakterien und sofortige Wiederaufnahme durch die Pflanzen kann ein ideales Gleichgewicht entstehen. Mit Hilfe von Licht werden dann immense Summen CO² gebunden und Sauerstoff frei gegeben. Das ungestörte Zusammenspiel aller Organismen ist also unbedingt nötig, um ein gesundes und stabiles Weltklima zu erhalten.
Deswegen ist es so wichtig, dass es Projekte wie Panguana gibt, die Boden kaufen, das Schutzgebiet weiter vergrößern und dabei Forschungs- und Bildungsarbeit leisten. Bis heute werden immer wieder neue Arten entdeckt - so unüberschaubar und vielseitig ist Flora und Fauna dort. So wurde zum Beispiel erst vor Kurzem eine 53. Fledermausart entdeckt, die bisher in ganz Peru noch nicht nachgewiesen worden war. Im viel größeren Europa gibt es dagegen nur 27 Arten!
Je mehr wir also über die uns umgebende Natur erfahren, umso besser können wir die miteinander verwobenen, biologischen Abläufe verstehen, diesen einzigartigen Lebensraum schützen und den tropischen Regenwald angemessen würdigen.
Die greenerilla wird auch 2018 nicht olympisch!
NOlympia heißt es bei der greenerilla, der JDAV (Jugend Deutscher Alpenverein) und dem BN (Bund Naturschutz)! Vergangene Woche haben wir kritisch-kreativ schon einmal die Verlierer der Olympischen Winterspiele 2018 gekürt, für die sich München zusammen mit den Austragungsorten Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden beworben hat. Unter dem Motto "Keine Olympischen Spiele ohne Nachhaltigkeit – damit bei Olympia nicht die Falschen verlieren" wurde am 15.03.2010 eine "Verliererehrung" auf dem Marienplatz durchgeführt.
Auf den 3. Platz kamen dabei unter dem Aspekt Soziales Kinder und Jugendliche aus dem Alpenvorland. Die ohnehin chronisch klammen Gemeinden und Landkreise werden im Zuge der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele viel Geld für Infrastruktur wie z.B. Schneekanonen, Langlaufloipen usw. investieren müssen. Geld, das fehlt, um Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen an ihren Wohnorten gerecht werden zu können. Das Argument der Olympiabefürworter, dass Einrichtungen, die für die Olympiade gebaut werden, von den Einheimischen nach den Spielen genutzt werden können, ist nur bedingt nachvollziehbar. Jedenfalls würde ich allen gern ersparen, sich aus mangelnden Alternativen an den Bobbahnen am Königssee zum gemeinsamen Schlitteln zu treffen.
Auf Platz Nummer 2 wurden die Ökonomischen Folgen der Winterspiele gesetzt. Wie bereits erwähnt ist mit deren Ausrichtung ein enormer finanzieller Aufwand verbunden, der von den Gemeinden und Landkreisen getragen wird. Dabei könnten enorme Kosten auf einfachste Weise vermieden werden, indem beispielsweise bereits bestehende Einrichtungen genutzt werden anstatt Neue zu bauen. Bestes Beispiel dafür sind die Planungen zu Langlaufwettkämpfen, für die bereits ein Leistungszentrum in Ruhpolding besteht. 2018 sollen sie jedoch in Oberammergau ausgetragen werden. Austragungsorten und Gemeinden in betroffenen Landkreisen winken als Folge der Olympischen Spiele enorme Schuldenberge.
Auf Platz 1 wurde unumstritten und mit großem Vorsprung Natur und Umwelt vor allem in den Austragungsorten - aber nicht nur - gesetzt. Die Palette reicht hier von globalen bis lokalen Gesichtspunkten, vom enormen CO2-Ausstoß, der durch Anreise, Unterbringung und Transport von Teilnehmern, Gästen und Material entsteht, über die Zerstörung von Natur- und Schutzflächen, zum Bau von Abfahrtspisten (Berge) und Anfahrtspisten (Autobahnen) bis hin zu einer enormen Energieverschwendung für die Beschneiung und Präparierung von Bergen und Tälern.
Für all jene, die sich mit diesem Teil von Olympia und allen anderen sportlichen Großveranstaltungen im Winter bisher noch nicht allzu intensiv auseinandergesetzt haben, oder jene, denen das jetzt zu schnell ging, sei noch die Homepage von NOlympia empfohlen. Sie berichtet übersichtlich und fundiert über Folgen möglicher Spiele 2018 in und um München.
Für allgemeine Informationen zum Thema Wintersport in naher Zukunft kann ich die Lektüre der Arbeit des BN aus dem Jahr 2007 ans Herz legen: Mit Schneekanonen gegen den Klimawandel: Salto Mortale in die Vergangenheit und Veröffentlichungen, die in regelmäßigen Abständen von der CIPRA zu diesem Thema herausgegeben werden.


